Kursziel:
Der Kurs vermittelt ein effizientes, evidenzbasiertes und leitlinienkonformes Vorgehen bei der Behandlung von Patient:innen mit akuten, subakuten und chronischen Rücken- und Nackenschmerzen.
Die Teilnehmenden erweitern ihr Verständnis der physiologischen und psychosozialen Hintergründe chronischer Schmerzen. Sie lernen, Diagnostik, Kommunikation und Therapieplanung gezielt miteinander zu verbinden. Dadurch können sie die Therapietreue fördern und die Funktionalität sowie die Lebensqualität ihrer Patient:innen verbessern.
Lernziel:
Nach Abschluss des Kurses können die Teilnehmenden:
– zwischen Nozizeption und Schmerz unterscheiden,
– die Verarbeitung nozizeptiver Reize im zentralen Nervensystem erklären,
– physiologische und psychosoziale Faktoren der Schmerzchronifizierung erkennen und bewerten,
– akute und chronische Schmerzen voneinander unterscheiden,
– das physiotherapeutische Flaggensystem anwenden,
– Patient:innen anhand der KNGF-Leitlinien untersuchen und geeigneten Behandlungsprofilen zuordnen,
– problematische Handlungen, Bewegungsverhaltensweisen und Körperhaltungen ermitteln,
– die physischen Kapazitäten der Patient:innen beurteilen,
– geeignete Assessments auswählen, anwenden und interpretieren,
– Patient:innen verständlich über Schmerzen und Bewegungsverhalten aufklären,
– Shared Decision-Making und Motivational Interviewing in der Therapie einsetzen,
– gemeinsam mit den Patient:innen individuelle und alltagsbezogene Therapieziele festlegen sowie
– ein individuelles Trainingsprogramm nach dem Prinzip der Graded Activity erstellen und stufenweise steigern.
Hintergrund:
Etwa 80 bis 85 Prozent der Menschen in Deutschland leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter Rückenschmerzen. Bei 62 Prozent der Betroffenen treten innerhalb von zwölf Monaten erneut Beschwerden auf. Erkrankungen der Wirbelsäule sind mit 41,7 Prozent die häufigste Ursache für physiotherapeutische Interventionen. Gleichzeitig gelten etwa 85 bis 90 Prozent aller Rückenschmerzen als unspoffenen treten innerhalb von zwölf Monaten erneut Beschwerden auf. Erkrankungen der Wirbelsäule sind mit 41,7 Prozent die häufigste Ursache für physiotherapeutische Interventionen. Gleichzeitig gelten etwa 85 bis 90 Prozent aller Rückenschmerzen als unspezifisch.
Die KNGF-Leitlinie „Low Back Pain“ und die Nationale VersorgungsLeitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ empfehlen bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen eine aktive Therapie, beispielsweise in Form von Graded Activity.
In einer Studie aus dem Jahr 2021 gaben lediglich 29 Prozent der Befragten an, die Nationale VersorgungsLeitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ zu kennen oder sich mit ihren Empfehlungen beschäftigt zu haben. Die über alle untersuchten Empfehlungen berechnete Leitlinienadhärenz betrug 38 Prozent. Gleichzeitig wurden nicht oder kaum empfohlene passive Verfahren wie Massagen und Kinesiotaping weiterhin häufig eingesetzt.
Die Fortbildung zeigt, wie eine evidenzbasierte und leitlinienkonforme Physiotherapie bei akuten, subakuten und chronischen Rücken- und Nackenbeschwerden gezielt in den Praxisalltag übertragen werden kann.
Lehrplan:
Block 1: Schmerzphysiologie und Chronifizierung – ca. 90 Minuten
– Nozizeption und Schmerz
– Verarbeitung nozizeptiver Reize im zentralen Nervensystem
– Akute und chronische Schmerzen
– Physiologische Veränderungen bei chronifizierten Schmerzen
– Psychosoziale Risikofaktoren der Schmerzchronifizierung
Block 2: Diagnostischer Prozess – 180 Minuten
– Physiotherapeutischer Screeningprozess und Flaggensystem
– KNGF-Leitlinien „Low Back Pain“ und „Neck Pain“
– Untersuchung und Zuordnung zu Behandlungsprofilen
– Leitliniengerechte Behandlungsempfehlungen
Block 3: Kommunikation mit chronischen Schmerzpatient:innen – 180 Minuten
– Schmerzedukation und Edukation zum Bewegungsverhalten
– Shared Decision-Making
– Motivational Interviewing
– Gemeinsame Therapieentscheidungen
– Förderung von Motivation und Therapietreue
Block 4: Messinstrumente und Assessments – 180 Minuten
– Gütekriterien: Reliabilität, Sensitivität und Spezifität
– Oswestry Disability Index
– Neck Disability Index
– Patientenspezifische Funktionsskala
– Tampa Scale of Kinesiophobia
Block 5: Recherche geeigneter Messinstrumente, unter anderem mit Physitrack und Physiotutors
Graded Activity – 180 Minuten.
– Grundlagen und Elemente des Behandlungsmodells
– Ermittlung problematischer Handlungen und Bewegungsverhaltensweisen
– Beurteilung der physischen Kapazitäten
– Festlegung individueller und alltagsbezogener Therapieziele
– Erstellung eines individuellen Trainingsprogramms
– Stufenweise Steigerung anhand gemeinsam festgelegter Quoten
Prüfung:
–
Lehrmaterial:
Sie erhalten das digitale Skript etwa eine Woche vor Kursbeginn per E-Mail.
Dozent:
Benedikt Wolf
Physiotherapeut